Wie wählt man die richtige Dosiernadel für industrielle Anwendungen aus?
Bei der Dosierung von Industrieflüssigkeiten ist die Wahl der Dosiernadel eine der wichtigsten Komponenten des gesamten Prozesses. Selbst minimale Abweichungen der Auftragsmenge können zu erhöhter Ausschussrate oder Materialverschwendung führen.
Die Dosiernadel ist zwar die kleinste und oft günstigste Komponente des Systems, stellt aber den letzten Kontaktpunkt zwischen Technologie und Produkt dar. Sie definiert die endgültige Form, das Volumen und die Stabilität des Depots.
Die richtig gewählte Nadel beeinflusst direkt drei Schlüsselparameter:
Wiederholgenauigkeit: Die Fähigkeit, jedes Mal die gleiche Materialmenge aufzutragen.
Form und Präzision: Vermeidung von Spritzern, Fadenbildung und ungewolltem Nachtropfen.
Zyklusgeschwindigkeit: Der Widerstand der Nadel bestimmt den erforderlichen Druck und die Ausstoßgeschwindigkeit.
Es kann zu Druckstau kommen – nach Zyklusende tritt Materialaustritt (Nachtropfen) auf.
Das Material wird übermäßig mechanisch beansprucht – seine physikalischen Eigenschaften können sich ändern (z. B. bei Zweikomponenten-Epoxiden, gefüllten Pasten oder Lötpasten).
Die Wahl der Nadel muss daher auf ihrer Konstruktion, den Flüssigkeitseigenschaften und den Anwendungsanforderungen basieren.
1. Klassifizierung der Nadeln nach Konstruktion und Anwendung
Konische Dosiernadeln (Smooth-Flow Tapered)
Hergestellt aus Polyethylen (oft mit UV-Blocker) oder Polypropylen. Die konische Form reduziert natürlich den Strömungswiderstand.
Geeignet für:
- mittel- bis hochviskose Materialien
- Gel-Cyanacrylate
- UV-Klebstoffe
- Dichtstoffe und gefüllte Materialien
- Lötpasten
- Gleichmäßiger Durchfluss dicker Pasten
- Niedrigerer Arbeitsdruck
- Minimales Verstopfungsrisiko

Edelstahlnadeln (Precision Stainless Steel – General Purpose)
Klassische Nadeln mit Edelstahlkanüle und Polypropylen-Hub (z. B. SafetyLok-System).
Geeignet für:
- breites Spektrum an Materialien, insbesondere niedrig- bis mittelviskose Flüssigkeiten
- präzise Mikrodosierung (kleinere Durchmesser)
Varianten: gerade, 45° und 90° abgewinkelt (für schwer zugängliche Stellen).
- Hohe Präzision
- Große Auswahl an Durchmessern und Längen
- Höherer Widerstand bei dicken Medien
- Verstopfungsrisiko bei Füllstoffen

Edelstahl-Dosiernadeln | 1/4 NPT Gewinde
Kanüle und Gewinde sind aus Edelstahl gefertigt.
Geeignet für:
- Anwendungen mit chemischer Inkompatibilität von Kunststoffen
- Autoklaven-Sterilisation
- Einfache Reinigung bei wiederholtem Gebrauch
- Verfügbare Längen bis zu 100 mm
- Geeignet für industrielle und medizinische Anwendungen

Dosiernadeln mit PTFE-Einsatz (Teflon)
Der Innenteil der Kanüle ist mit PTFE-Material ausgekleidet.
Am besten geeignet für:
- Cyanacrylate (Sekundenkleber)
- Sehr dünnflüssige Medien
- Chemisch aggressive Stoffe
- Minimierung von Verstopfungen und Reduzierung von Metallreaktionen
- Eliminierung von Kapillareffekten bei dünnen Flüssigkeiten

Spezielle Nadeltypen
Angefaste (Chamfered)
→ Mikropunkte von sehr dünnflüssigen Medien und UV-Klebstoffen – sauberer Abriss der Dosierung

→ Flache Streifen (Raupen) von dicken Dichtstoffen, Silikonen und Epoxiden

→ Biegsame Schläuche für Rillen und schwer zugängliche Stellen
→ Möglichkeit der Kürzung auf die gewünschte Länge

2. Physik und Strategien zur Optimierung der Dosierung
Die richtige Wahl der Nadelabmessungen basiert auf den physikalischen Gesetzen von Durchfluss, Widerstand und Druck.
Einfluss der Nadellänge auf die Prozessstabilität:
Je länger die Nadel, desto höher der Widerstand und die Notwendigkeit eines höheren Drucks. Angestauter Druck in einer langen Nadel verursacht ein Nachtropfen nach Zyklusende.
Empfehlung: Verwenden Sie die kürzestmögliche Nadel (idealerweise 0,25”).
✔ geringerer Widerstand | ✔ weniger Druckstau | ✔ stabilere Dosierung
Wahl des Durchmessers (Gauge)
Der Durchmesser wird als Gauge (G) angegeben. Es gilt: Je höher die G-Zahl, desto kleiner der Innendurchmesser.
Grundregel: Wählen Sie den größtmöglichen geeigneten Durchmesser, der die gewünschte Dosiergröße noch zulässt.
Praxisbeispiel:
Wenn Sie einen Punkt mit 1 mm Durchmesser dosieren möchten, verwenden Sie keine Nadel mit ID 0,4 mm. Geeigneter ist z. B. G18 (ID ~0,84 mm).
Die Nadel sollte immer einen etwas kleineren Durchmesser haben als das gewünschte Enddepot – nicht wesentlich kleiner.
Strategie: Druck und Zeit
1️⃣ Niedriger Druck: Verwenden Sie den geringstmöglichen Druck. Sie reduzieren die mechanische Belastung des Materials und das Nachtropfrisiko.
2️⃣ Längere Dosierzeit: Wählen Sie anstelle eines kurzen Impulses unter hohem Druck einen niedrigeren Druck und eine längere Zeit.
Beispiel: Wenn Sie einen Arbeitszyklus von 1s haben, verwenden Sie keine unnötig kurze Zeit (z. B. 0,2 s) und hohen Druck. Stellen Sie eine längere Zeit ein, die näher am Maschinenzyklus liegt.
Längere Zeit + niedrigerer Druck = ✔ stabileres Volumen, ✔ geringere Streuung, ✔ bessere Kontrolle
3. Kompatibilitätstabelle: Material vs. Nadeltyp

Häufigste Fehler bei der Nadelwahl
- ❌ Wahl eines zu kleinen Durchmessers für dickflüssiges Material
- ❌ Kompensation einer ungeeigneten Nadel durch Druckerhöhung
- ❌ Ignorieren von Füllstoffen im Material
- ❌ Verwendung eines universellen Typs für alle Anwendungen
Die Gleichung für stabile Dosierung
- Kürzestmögliche Nadellänge
- Größtmöglicher geeigneter Durchmesser
- Niedrigstmöglicher Druck
- Längstmögliche Dosierzeit
=
minimaler Widerstand, kein Nachtropfen und maximale Wiederholgenauigkeit
Fazit
Die richtige Dosiernadel erhöht die Präzision, reduziert den Ausschuss, stabilisiert den Prozess und verlängert die Lebensdauer der Anlage.
